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Nun doch Kompromiss zum Pflegeberufsgesetz

Berufsbild Kinderkrankenpflege bleibt erhalten

Der Weg für die Pflege-Ausbildungsreform sei frei, teilten die stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Carola Reimann und Karl Lauterbach am Donnerstag in Berlin mit.

Nun soll ab 2019 in allen Pflegeschulen die Ausbildung mit einer zweijährigen generalistischen Pflege-Ausbildung beginnen. Nach diesen zwei Jahren können die Auszubildenden die generalistische Ausbildung fortsetzen oder den bisherigen Abschluss als Altenpfleger/-in oder Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in wählen.

In der generalistischen Ausbildung soll es eine Vertiefung in der Alten- und Kinderkrankenpflege geben.

Den Beruf Krankenpflege wird es künftig nicht mehr geben.

Das ist der ursprünglich von Lauterbach und Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein (CSU) ausgehandelte Kompromiss. SPD- und Unionsfraktion hatten sich nun wohl doch nach Vorlage dieses Vorschlags verständigt.

Sechs Jahre nach Beginn der neuen Ausbildung sollen die beiden involvierten Ministerien (Gesundheits- und Familienministerium) die Zahl der einzelnen Abschlüsse auswerten. Wenn mehr als 50% den generalistischen Abschluss mit Schwerpunkt wählen, sollen die eigenständigen Berufsabschlüsse nicht mehr weitergeführt werden. Über Abschaffung oder Beibehaltung muss dann aber noch der Bundestag entscheiden.

Worauf sich diese 50% genau beziehen, ist noch nicht bekannt. Da allein die bisherige Krankenpflege einen großen Anteil ausmacht, dürften die 50% schnell erreicht sein, wenn sie sich auf alle Auszubildenden beziehen sollte. Eigentlich können also nur diejenigen gemeint sein, die die Wahl haben, also Kinderkrankenpflege und Altenpflege. Die genaue Formulierung im Gesetzesentwurf muss also abgewartet werden.

Die Finanzierung aller Ausbildungswege ist nach wie vor unterschiedslos über einen gemeinsamen Ausbildungsfonds vorgesehen.

Weitere Details zur Ausgestaltung sind noch nicht bekannt. Hier befürchten wir, da es sich um einen typischen politischen Kompromiss handelt, noch viele Probleme für die praktische Umsetzung. In der Kürze der Zeit, in der dieser Kompromiss nun ausgehandelt wurde, konnten sicherlich nicht die Auswirkungen auf die praktische Umsetzung durchdacht werden. Es bleibt also trotzdem noch spannend.

Ob diese Reform wirklich geeignet ist, die in den kommenden Jahren wachsende Lücke in der Pflege zu schließen, bleibt fraglich. Die Koalitionsfraktionen jedenfalls erhoffen sich, mehr Auszubildende für den Beruf gewinnen zu können.

Der Deutsche Pflegerat bedauert bereits in einer ersten Pressemitteilung das Scheitern der großen Reform der Pflegeausbildung. Den zwischen den Koalitionsfraktionen jetzt gefundenen Kompromiss zum Pflegeberufereformgesetz sieht der DPR als ersten Schritt einer Reform an, auch wenn die drei Berufsabschlüsse erhalten bleiben. Für die Krankenpflege sei es ein größerer, für die Alten- und Kinderkrankenpflege leider aber nur ein kleiner Schritt, um die Pflegeberufe zukunftssicherer zu machen und damit die Patientensicherheit zu gewährleisten. Die generalistische Pflegeausbildung komme nun zumindest scheibchenweise.

Das sehen wir natürlich komplett anders. Um die Kinderkrankenpflege noch attraktiver zu machen, bedarf es gerade nicht einer generalistischen Ausbildung, sondern einer noch besseren Spezialisierung und vor allem guter Arbeitsbedingungen in den Kliniken.